Die Glarner Landsgeimeinde hat den Antrag, das aktive Stimmrechtsalter auf 16 Jahre zu senken, angenommen. Damit ist Glarus der erste Kanton, der bereits Jugendlichen ab 16 Jahren erlaubt, aktiv auf das politische Geschehen Einfluss zu nehmen.
In den letzten Tagen hat sich auch der Berner Regierungsrat positiv diesem Anliegen gegenübergestellt. Und in Österreich will man das Stimmrechtsalter 16 vielleicht gleich landesweit einführen.
Höchste Zeit also auch für den Kanton Zürich, die Jugendlichen in die Politik miteinzubeziehen und ihnen das nötige Vertrauen entgegenzubringen.
PS: Unsere
Einzelinitiative ist momentan auf Platz 131 der Traktandenliste des Zürcher Kantonsrates.
Hier unsere Medienmitteilung zu den heutigen Ereignissen in Glarus:
Junge Grüne und JUSO Zürich zeigen sich sehr erfreut über die Annahme des Stimmrechtsalters 16 im Kanton Glarus.
Der Entscheid der Glarner Landsgemeinde zeigt, dass das Anliegen, das aktive Stimmrechtsalter auf 16 herabzusetzen, mehrheitsfähig ist. Dies erhöht auch die Chancen für die von Jungen Grünen und JUSO Zürich eingereichte Einzelinitiative. Die Glarnerinnen und Glarner haben ein zukunftsweisendes Zeichen gesetzt. Die Jungen Grünen und die JUSO hoffen deshalb, dass das Anliegen bald auch in Zürich eine Mehrheit findet.
Der Zürcher Lehrplan für politische Bildung schreibt vor, das demokratische Handeln in der Primar- und der Sekundarschule einzuüben. Für die Jungparteien ist daher das Stimmrechtsalter 16 logische Konsequenz dieser in der Volksschule angestrebten politischen Mündigkeit.
Die InitiantInnen der Zürcher Einzelinitiative erhoffen sich durch ihre Forderung jedoch nicht nur die Herabsetzung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre, sondern auch eine breite Diskussion über die Stellung der Jugendlichen in unserer Gesellschaft.
Das Thema ist momentan auch in Bern und Österreich aktuell. Der Berner Regierungsrat steht dem Anliegen positiv gegenüber. Sollten nach Glarus bald auch noch Bern und Zürich nachziehen, stehen die Chancen gut, dass das Stimmrechtsalter 16 bald auf eidgenössischer Ebene eingeführt werden kann.
Vorgestern veröffentlichte die Zürcher Kripo ihre neuste Kriminalitätsstatistik. Zu reden gibt vor allem die Jugendkriminalität – insbesondere von ausländischen Jugendlichen. Und natürlich werden nun Massnahmen gefordert. Doch für einmal kommen die Vorschläge nicht von Seiten der Politik, sondern gleich vom Kapo-Chef Herren persönlich. Seine Aussagen sind allerdings SVP-tauglich. Ausschaffen soll man diese Straffälligen laut Herren - wenn’s sein muss samt Familie.
Ob es die Aufgabe des Kapo-Chefs ist, politische Massnahmen vorzuschlagen, sei hier mal dahingestellt. Unakzeptabel ist jedoch der Inhalt seiner Aussagen. Ganz nach dem Motto „Aus den Augen aus dem Sinn“ will er die Probleme – anstatt sie zu lösen – einfach aus seiner Zuständigkeit „verbannen“.
Dass die steigende Jugendkriminalität ein erschreckendes Phänomen ist, darüber sind sich wohl alle einig. In der Frage, wie man diesem Problem begegnen muss, gehen die Meinungen jedoch auseinander. Wahrscheinlich gibt es dafür keine einfache, schnelle Lösung. Ich bin mir aber sicher, dass die Jugendlichen als eigenständige Personen wahrgenommen werden müssen. Dies gilt sowohl für die Schule, wo es wichtig ist, dass man nebst Wissen auch soziale Kompetenzen vermittelt bekommt, was nur möglich ist, wenn die Klassengrössen überschaubar sind und die Schülerinnen und Schüler lernen Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. Doch auch die Eltern sind gefordert: Sie müssen sich Zeit nehmen für ihre Kinder und sich ernsthaft mit deren Alltagssorgen auseinandersetzen.
Es handelt sich hier also meines Erachtens um ein grundlegendes Problem unserer Gesellschaft, dem man auf den Grund gehen sollte. Und diejenigen, die jetzt „drastische Massnahmen“ fordern, sollten sich vielleicht mal überlegen, ob sie mit ihrer Politik nicht einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet haben, dass die Situation heute so ist, wie sie ist.
Für einmal eine erfreuliche Meldung aus Bern: Die Aussenpolitische Kommission des Nationalrates unterstützt eine Petition der
Jugendsession, welche fordert, dass ab 2015 jährlich 0.7% des Bruttoinlandprodukts in die Entwicklungshilfe investiert werden sollen. Dies sind 0.26% mehr als 2005.
Diese Meldung freut mich aus zwei Gründen:
Erstens würde die Schweiz damit einen wichtigen Schritt Richtung Erreichung der
Millennium Development Goals MDG machen.
Zweitens ist es ein Beispiel dafür, dass Jugendliche mit ihren Forderungen Einfluss auf das politische Geschehen nehmen können.
Nun braucht es (nur) noch die Zustimmung des Nationalrats. Ich hoffe, dass diese wichtige Forderung nicht den bürgerlichen Sparmassnahmen zum Opfer fällt. Eigentlich sollte es ja selbstverständlich sein, dass eines der reichsten Länder der Welt diesen Beitrag zugunsten ärmerer Länder leisten kann.
Antrag:
Das Stimmrechtsalter ist auf 16 Jahre herabzusetzen. Dies soll sowohl für das aktive Stimm-recht, wie auch für das aktive und passive Wahlrecht gelten.
Begründung:
Jugendliche und junge Erwachsene machen einen beträchtlichen Teil unserer Gesellschaft aus. Es wird viel davon gesprochen, dass sie „die Zukunft“ seien und es wird erwartet, dass sie sich für die Gesellschaft engagieren. Damit dieses Engagement (auf politischer Ebene) für die Jugendlichen jedoch attraktiv ist, müssen sie eine Stimme erhalten, die genauso viel zählt, wie diejenige der Erwachsenen - denn engagieren tut man sich lieber, wenn man auch etwas bewirken kann. Abgesehen davon haben viele politische Entscheide direkte Auswir-kungen auf ihr weiteres Leben, weshalb die Jugendlichen aktiv miteinbezogen werden müs-sen.
Als Kriterium für die Festlegung der Altersgrenze wird in der Regel die „politische Reife“ ge-nannt. EntwicklungspsychologInnen stellen fest, dass Jugendliche heute ab 12 Jahren einen deutlichen Entwicklungsschub durchmachen, der sie befähigt abstrakt, hypothetisch und lo-gisch zu denken. Parallel dazu steigt die Fähigkeit soziale, moralische und politische Urteile zu fällen und die eigenen materiellen und ideellen Interessen im Rahmen der Gesellschaft zu erkennen und zu artikulieren. Diese politische Reife muss nicht bei jedem einzelnen, sondern bei der Mehrheit einer Alterskategorie gegeben sein. Dass Jugendliche mit 16 Jahren genü-gend reif sind, sich eine eigene Meinung zu bilden und Verantwortung zu übernehmen, zeigt sich ausserdem daran, dass man in diesem Alter wichtige Entscheidungen zur Berufswahl trifft.
Da Jugendliche in diesem Alter von der Wirtschaft als eigenständige Personen wahrgenom-men werden, sollte dies auch für die Politik gelten. Zudem wird es für Politikerinnen und Poli-tiker interessanter, sich ernsthaft für die Anliegen der Jungen einzusetzen, wenn diese auch stimm- und wahlberechtigt sind.
Demokratie ist lernbar. Damit Jugendliche die Prozesse und Prinzipien der Politik verstehen, ist ein guter Staatskundeunterricht wichtig. Dieser sollte möglichst praxisnah und aktuell ges-taltet sein, damit sich die Jugendlichen im schulischen, wie auch im lokalen Umfeld als poli-tisch wirksam erleben können. So verlangt denn auch der 2005 erschienene züricherische Lehrplan zur politischen Bildung nach aktiven Partizipationsformen, wie Schüler- und Schüle-rinnenräten und kommunalen Projekten. Das Stimm- und Wahlrechtalter 16 ist dabei notwe-nige Folge dieser Bestrebungen. Denn die Motivation, die erlernten Fähigkeiten einzusetzen und weiterzuentwickeln ist erheblich grösser, als bei einem 18-jährigen, bei dem die politi-sche Bildung schon ein paar Jahre zurück liegt. So ist das Stimmrechtalter 16 ein wichtiger Schritt auf die Jugendlichen zu, das Interesse an der Politik zu fördern und damit auch eine Chance, etwas gegen die tiefe Stimmbeteiligung, insbesondere bei den Jungen, zu unter-nehmen. Schliesslich sind politisches Interesse und Engagement die Grundlagen unserer Demokratie.
Wir bitten Sie, unseren Antrag zu unterstützen und dem Regierungsrat zu unterbreiten.
Im Rahmen der Serie "Jugend und Politik" führte Seraina Sattler von der Zürichsee Zeitung ein Interview mit mir unter dem Titel "16-Jährigen eine Stimme geben".
Die Rüeschlikerin Mirjam Kosch findet, Jugendliche sollten ihre Sichtweise in die Politik einbringen dürfen. Die Jungpolitikerin fordert die Herabsetzung des Stimmrechtsalters auf 16.
Mirjam Kosch, zusammen mit anderen Jungpolitikern der Jungen Grünen und der Jungsozialisten fordern Sie mit einer Einzelinitiative die Herabsetzung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre im Kanton Zürich. Hätten Sie in diesem Alter schon wählen und abstimmen wollen?
Ja. Ich habe mich bereits mit 15 für Politik interessiert. Um die Diskussion über die Herabsetzung des Stimmrechtsalters im Nationalrat zu verfolgen, reiste ich 2000 als 15-Jährige sogar nach Bern.
Waren Sie damals politisch reif genug, um ein wohlüberlegtes Ja oder Nein in die Urne zu legen?
Das denke ich schon. Klar, interessiert man sich in diesem Alter für andere Themen als mit 40. Doch wenn sich 16-Jährige mit einem Thema befassen, können sie die Lage durchaus beurteilen und eine Entscheidung fällen. Das ist ja in jedem Alter so: Niemand ist allwissend, jeder muss sich zuerst mit einem Thema auseinandersetzen, bevor er entscheiden kann.
Gegen das tiefere Stimmrechtsalter wird angeführt, Jugendliche hätten noch wenig Lebenserfahrung und seien deshalb leicht beeinflussbar.
Nach reiflicher Überlegung sind wir vom Initiativkomitee zum Schluss gekommen, dass man mit 16 nicht beeinflussbarer ist als später. Manche Menschen sind ganz generell empfänglicher für Propaganda als andere. Dieses Problem besteht also bei allen Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern.
Und was sagen Sie zur fehlenden Lebenserfahrung?
Selbstverständlich haben Jugendliche andere Bedürfnisse und Ideen als 50-Jährige. Die Politik muss jedoch die Lebensweisen aller Bürgerinnen und Bürger berücksichtigen – also sollen Menschen verschiedenen Alters ihre Sichtweise einbringen dürfen. Gestandene Politiker haben nun mal kein realistisches Bild vom Leben der 16-Jährigen. Und man darf nicht vergessen, dass in unserer Gesellschaft immer noch viele unter 20-Jährige leben.
Mündig wird man – ob Ihre Initiative durchkommt oder nicht – erst mit 18. Ist es sinnvoll, wenn Jugendliche über staatliche Ausgaben mitbestimmen können, obwohl sie noch keine Steuern bezahlen – also noch keine Verantwortung tragen müssen?
Als 16-Jährige muss man sehr wohl Verantwortung für die Entscheide tragen – einfach erst zwei Jahre später. Und bekanntlich dauert es jeweils seine Zeit, bis Volksentscheide umgesetzt werden. Steuern bezahlen zudem auch nicht alle 18-Jährigen. Wer sich noch in Ausbildung befindet, zahlt wenig bis nichts. Das Stimmrecht ist ja zum Glück nicht an die Höhe der Steuern gekoppelt.
Tatsache ist doch: Nur eine absolute Minderheit der 16-Jährigen möchte überhaupt in der Politik mitreden.
Da gehen die Meinungen auseinander. Wahrscheinlich haben Sie Recht und nur eine Minderheit wird sich an der politischen Debatte beteiligen. Doch uns geht es ja nicht darum, dass alle Jugendlichen an die Urne gehen. Doch jenen, die wollen, soll dieses Recht nicht verwehrt werden. Wenn man in der Oberstufe Staatskundeunterricht hat und vielleicht das politische Interesse geweckt ist, soll man nicht noch zwei Jahre warten müssen, bis man das Gelernte umsetzen kann. Der Staatskundeunterricht würde durch die Möglichkeit, sofort mitbestimmen zu können, konkreter. Wir hoffen, mit der Herabsetzung des Stimmrechtsalters die tiefe Stimmbeteiligung ein bisschen zu heben.
Bis jetzt haben wir vor allem vom aktiven Wahlrecht gesprochen. Kommen wir zum passiven Wahlrecht: Sehen Sie tatsächlich eine 16-Jährige im Kantonsrat politisieren?
Ja. Ich sage das zögernd, ich weiss. Wir haben lange überlegt, ob wir das aktive und das passive Stimm- und Wahlrecht fordern sollen. Es ist klar, dass eine 16-Jährige nicht Regierungsrätin werden wird. Doch wir sind davon überzeugt, dass es 16- und 17-Jährige gibt, die fähig sind, zumindest in einem Gemeindeparlament zu politisieren. Die Gefahr, dass 16-Jährige unser Land regieren, besteht nicht. Schliesslich müssten sie ja auch noch gewählt werden.
Die Glarner Regierung schlägt vor, für 16-Jährige nur das aktive Stimmrecht einzuführen. In politsche Ämter könnten also erst 18-Jährige gewählt werden. Was halten Sie von dieser Idee?
Ich könnte damit leben; als Kompromiss wäre diese Idee denkbar. Doch wir sind der Meinung, dass das aktive und das passive Wahlrecht zusammengehören. Und für gewisse Ämter sind 16- und 17-Jährige alt genug.
Welche Chancen rechnen Sie sich aus, dass Ihre Initiative im Kanton Zürich durchkommt?
Wir sind zuversichtlich, dass sie zumindest vor den Regierungsrat kommt. Zudem möchten wir einfach die Diskussion anreissen und neben unseren Mutterparteien auch andere Parteien dazu bewegen, sich hinter unser Anliegen zu stellen. Die Chancen, dass die Herabsetzung des Stimmrechtsalters früher oder später angenommen wird, sind intakt.
Am 8.1. veranstalteten wir im Café Rathaus eine Pressekonferenz zur Einreichung unserer Einzelinitiative.
Moderation: Pascal Pauli
Referate: Mirjam Kosch und Annina Aeberli
Liebe Medienschaffende, liebe Gäste aus dem Kantonsrat und liebe Interessierte. Herzlich Willkommen zur Pressekonferenz, im Namen von Pascal Pauli, Organisator des städtischen Jugendgipfels 06, Annina Aeberli von der Juso und Mirjam Kosch, Kantonsratskandidatin von den Grünen Horgen und Junge Grüne Kanton Zürich.
Wir reichen heute die Einzelinitiative für die Herabsetzung des Stimmrechtsalters auf 16 Jahre ein.
Die Pressekonferenz gestalten wir wie folgt, dass ich kurz die Entstehungsgeschichte dieser Forderung aufzeige, dann werden Mirjam Kosch und Annina Aeberli ihnen die Argumente nahe bringen, die eine Unterstützung von Stimmrechtalter 16 nötig machen.
Wie ist diese Forderung Stimmrechtalter 16 entstanden:
Wenn wir über Stimmrechtalter sprechen, müssen wir uns zuerst bewusst sein, was das Wort bedeutet und wie es zustande kommt. Das Stimmrechtalter ist ein willkürlich festgelegter Wert, der mehr oder weniger auf entwicklungspsychologischen Erkenntnissen beruht, jedoch schlussendlich von der Gesellschaft festgelegt wird. 1979 ist noch auf eidgenössischer Ebene die Vorlage über die Senkung des Stimm- und Wahlalters von 20 auf 18 Jahre in einer Volksabstimmung mit 50.8 % Nein-Stimmen zu 49.2 % Ja-Stimmen abgelehnt worden.
Erst 1991 ist bei der zweiten Abstimmung zur gleichen Forderungen mit 72.7 % der Stimmenden zugestimmt worden. 10 Jahre später wurde dann eine Motion von der Berner SP- Nationalrätin Ursula Wyss zur Senkung des aktiven Stimmrechtalters auf 16 Jahre im Nationalrat am 5. Juni 2000 mit 79 Ja- zu 89 Nein-Stimmen (bei 4 Enthaltungen und 27 Entschuldigungen) abgelehnt.
Die Diskussion über das Stimmrechtalter 16 wird also schon seit längerem geführt.
Momentan sieht es so aus, dass der Kanton Glarus möglicherweise der erste Kanton sein wird, der das Stimmrechtalter 16 einführt. Die Regierung hat den Memorialsantrag von der JUSO mit positiver Rückmeldung entgegen genommen.
Unser nördlicher Nachbar Deutschland ist in gewissen Teilen des Landes in dieser Frage schon weiter. In den Bundesländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist das kommunale aktive Wahlrecht ab 16 Jahren seit 1996 eingeführt.
Erste Erfahrungen zeigen, dass die Jungwählerinnen und –wähler gegenüber der Generation der 30-Jährigen überdurchschnittlich an den Wahlen teilgenommen haben.
Die Forderung des Stimmrechtsalters 16 im Kanton Zürich ist während dem ersten städtzürcher Jugendgipfel am 2.September 06 im Jugendkulturhaus Dynamo formuliert worden. Es haben daran 30 Jugendliche teilgenommen.
Der Jugendgipfel ist eine Plattform für Ideen von Jugendlichen, die sie mit anderen zusammen verwirklichen möchten.
Daraus entstand eine Arbeitsgruppe - und wir drei sind ein Teil von dieser. Leider wird unser Anliegen schlussendlich nur von der JUSO und den Jungen Grünen unterstützt und mitgetragen.
Aber wir sind überzeugt, dass es hier nicht um parteipolitische Ideologien geht, sondern um eine Aufwertung des gesellschaftlichen Bildes der Jugendlichen.
Und wieso nun der Kanton Zürich als fortschrittlich denkender Kanton den Jugendlichen ab 16 Jahren die Möglichkeit eröffnen soll, auf politischer Ebene aktiv mitzubestimmen, werden ihnen Mirjam Kosch und Annina Aeberli erklären:
Jugendliche sind in der Lage, verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen Mirjam Kosch
"Bereits vor Vollendung des 16. Altersjahres treffen Jugendliche heute wichtige Entscheidungen, die den Verlauf ihres weiteren Lebens massgeblich beeinflussen. Entscheidet man sich, weiter zur Schule zu gehen, muss man sich überlegen, welche Fächer einen besonders interessieren und ein Profil wählen. Entscheidet man sich, eine Lehre zu machen, ist der Einschnitt noch gravierender. Man muss sich für eine Lehrstelle (und somit für einen Beruf) entscheiden, Bewerbungen schreiben und tritt dann mit ungefähr 16 Jahren ins erwerbstätige Leben ein. Dies ist nicht immer einfach und erfordert einiges an Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein.
Ausserdem besitzt der/die „durchschnittliche“ 16-jährige heutzutage ein Handy, verfügt über ein Bankkonto und kann – soweit ihm das seine finanziellen Möglichkeiten erlauben – kaufen, was er will.
Mit 16 Jahren wird man also von der Wirtschaft und teilweise auch vom Gesetz (16-jährige unterstehen dem Jugendstrafrecht) bereits als eigenständige Person wahrgenommen.
Unserer Meinung nach ist dies schon Grund genug, den 16-jährigen auch politische Urteilsfähigkeit zuzutrauen. Es gibt jedoch aus entwicklungspsychologischer- und politischer Sicht noch weiter Gründe, die für das Stimmrechtsalter 16 sprechen.
Als Kriterium für die Festlegung der Altersgrenze wird häufig die „politische Reife“ genannt. Diese bedeutet „die Fähigkeit, die eigenen materiellen und ideellen Interessen im Rahmen der Gesellschaft zu erkennen und zu artikulieren“. Die Wahl des Berufes oder der Ausbildung sowie viele weitere Entscheidungen mit denen man bereits im jungen Alter konfrontiert wird, setzen eine richtige Einschätzung der eigenen Interessen im Rahmen der Gesellschaft voraus. Dass Jugendliche in diesem Alter fähig sind abstrakt und logisch zu denken und somit auch fähig sind, soziale, moralische und politische Urteile zu fällen, belegen Studien der Entwicklungspsychologie.
Über Fernsehen, Zeitungen und Internet werden Jugendliche schon früh mit gesellschaftlichen Problemen konfrontiert und machen sich ihre Gedanken dazu. Bei vielen Jugendlichen besteht Interesse an politischen Themen und besonders bei jugendpolitischen Themen sollte nicht nur über, sondern auch mit den Jugendlichen gesprochen werden. Zudem wird es für Politikerinnen und Politiker interessanter, sich ernsthaft für die Anliegen der Jungen einzusetzen, wenn diese auch stimm- und wahlberechtigt sind. Es spricht also alles dafür, die Jugendlichen bereits ab 16 Jahren ins politische Leben einzuführen – insbesondere, weil es um ihre Zukunft geht, über die bestimmt wird."
Gesellschaft und Politik tragen den Jugendlichen gegenüber eine Verantwortung Annina Aeberli
"Die Gesellschaft und die Politik sind dazu verpflichtet, die Jugendlichen mit einzubeziehen. Zum einen geht die Zukunft der Welt, der Schweiz oder des Kantons Zürich gerade die Jugendlichen am meisten an, sie sind es, die am meisten unter den Konsequenzen heutiger Entscheidungen leiden oder von guten politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen profitieren. Wir Jungen sind am stärksten dazu gezwungen, längerfristig und nachhaltig zu denken. Deshalb sollte uns möglichst früh die Möglichkeit gegeben werden mitzureden.
Andererseits sollen Jugendliche verantwortungsbewusste Erwachsene werden. Doch Verantwortung zu übernehmen, muss geübt werden! Wer nicht schon früh lernt, was Verantwortung und Mitbestimmung bedeuten, hat es später schwer, das Prinzip der Demokratie zu verstehen.
So sind die JUSO und die Jungen Grünen erfreut über den neuen zürcherischen Lehrplan zur politischen Bildung: Kinder- und Jugendpartizipation soll stärker gefördert werden, z.B. mit SchülerInnenräten oder kommunalen Projekten. Dass die Stadt Zürich bzw. der Gemeinderat zudem sogar bereit ist, Geld in die konkrete Umsetzung zu investieren, schätzen wir. So können schon Kinder die Erfahrung machen, dass sie etwas bewirken können und dass es sich lohnt, Zeit und Energie in die Mitbestimmung zu investieren. Sie müssen sich ernst genommen fühlen. So werden alle schon in jungen Jahren auf unser doch anspruchsvolles System der direkten Demokratie vorbereitet.
Das Stimmrechtsalter 16 macht gerade deshalb Sinn, weil man mit 15/16 Jahren in der Schule Staatskundeunterricht hat. Ein guter theoretischer Staatskundeunterricht nützt jedoch wenig, wenn der Praxisbezug fehlt. Mit dem Stimmrechtsalter 16 könnten die gelernten Dinge gleich in der Realität umgesetzt werden. Wir sehen darin die Chance, etwas gegen die tiefe Stimmbeteiligung insbesondere bei den Jungen zu unternehmen: Partizipation muss schrittweise erlernt werden.
Es sind aber sicherlich auch keine Wunder zu erwarten, selbst bei den älteren Generationen entspricht die Stimmbeteiligung nicht einmal annähernd 100%. Doch jeder junge Mensch, der den Wunsch verspürt und sich in der Lage fühlt, abzustimmen und zu wählen, sollte diese Möglichkeit zur Mitbestimmung erhalten. Seine Stimme soll genau so viel zählen wie die eines Erwachsenen.
Die PolitikerInnen müssen endlich auf die Jugendlichen hören: das kann aber nur erreicht werden, wenn sie auch dieselbe Macht erhalten wie alle anderen Interessengruppen.
Es wird Zeit, dass die Erwachsenen nicht mehr einfach nur Verantwortungsbewusstsein, Vernunft, Leistung und Engagement von den Jugendlichen erwarten, sondern auch bereit sind, uns ernst zu nehmen. So werden die Grundvoraussetzungen für eine Gesellschaft geschaffen, in der alle Altersgruppen ihren Platz haben."
Sie haben gehört, dass es eigentlich keinen Grund gibt, unser Anliegen abzulehnen.
Ich möchte ihnen zum Schluss einen kleinen Ausblick geben, wohin die Jugendpolitik im gesellschaftlichen Kontext aufgeweitet werden soll.
Sie haben gehört, dass es eigentlich keinen Grund gibt, unser Anliegen abzulehnen.
Ich möchte ihnen zum Schluss einen kleinen Ausblick geben, wohin die Jugendpolitik im gesellschaftlichen Kontext aufgeweitet werden soll.
Wie sie wissen, stehen wir heute vor grossen Herausforderungen in dieser Welt, wie Kriege, Klimawandel oder soziale Armut. Viele Menschen versuchen u.a. auf politischem Weg Lösungen zu erarbeiten, was sehr wichtig ist. Meiner Meinung nach wird jedoch einem Aspekt zuwenig Beachtung geschenkt: „Der Mensch besitzt die Fähigkeit und Ressourcen, sich zu einem sozial bewusst handelnden Erwachsenen zu entwickelt, wenn ihm dazu günstigen Raum und Atmosphäre zugestanden wird. Es wäre falsch ihn immer mehr zu kontrollieren, sondern im Gegenteil, mehr Freiheiten zu geben.
Mit der Einreichung der Initiative „Stimmrechtalter 16“ wird eben gerade diesem Aspekt Rechnung getragen. Wir werfen die Frage nach dem Wert des Jugendlichen in unserer Gesellschaft auf: Wie viel Vertrauen, Verantwortung und Wertschätzung schenken wir einem 16-jährigen?
Ich bin überzeugt, dass nur wenn wir eine günstige Umgebung schaffen, jedes Kind zu einem verantwortungsbewussten, sozial und selbstständig handelnden Erwachsenen heranwächst und entwickelt. Darum sind Investitionen in Kinder- und Jugendmitwirkung von zentraler Bedeutung. Stimmrechtalter 16 ist ein Puzzlestück, das einem jungen Menschen ermöglicht, seine Umwelt aktiv mitzugestalten - und dies soll seine freie Entscheidung sein.
Jugendliche und junge Erwachsenen machen einen grossen Teil unserer Gesellschaft aus, deshalb soll ihrer Stimmer mehr Gewicht gegeben werden.
Aus diesem und anderen Gründen reichte ich zusammen mit Pacal Pauli (Junge Grüne, Gemeinderat Zürich) und Annina Aeberli (Juso, Zürich) im Kantonsrat eine
Einzelinitiative zum Thema Stimmrechtsalter 16 ein.
Am 8.1. veranstalteten wir im Café Rathaus eine Pressekonferenz zur Einreichung unserer Intitiative. Das Medieninteresse war sehr erfreulich: Tagi, NZZ, Tele Züri, mehrere Zürcher Regionalzeitungen und Lokalradios kamen, um zu hören, was wir zu sagen hatten.